Nach der Originalausgabe Stuttgart 1852
1. Brief - Die sensitiven Menschen. Beispiele aus dem täglichen Leben.
2. Brief - Das Od ein Zweig der Naturkräfte. Die Kristalle, ihr Leuchten und ihre Gefühlserregungen. Die Dunkelkammer.
3. Brief - Das Sonnenlicht. Das Mondlicht. Das prismatische Farbenbild. Das polarisierte Licht. Geodetes Wasser. Od als kosmisches Dynamide.
4. Brief - Der Magnetismus. Gefühls- und Gesichtserscheinungen. Verschiedenheit von Od und Magnetismus.
5. Brief - Sogenannter tierischer Magnetismus. Leuchtende Pflanzen, Tiere, Menschen. Rechte und linke Seite der organisierten Wesen in odpolarem Gegensatze.
6. Brief - Menschenod. Beispiele von mancherlei odischen Paarungen aus dem täglichen Leben.
7. Brief - Mesmerismus und Od, dieses als Weltkraft, jenes als ihre spezielle Anwendung und Benützung in der Heilkunst. Der Strich. Das Verfahren der Ärzte.
8. Brief - Der Chemismus. Die Verdampfung mit der Destillation. Die Gährung und Fäulnis. Grablicht.
9. Brief - Der Klang. Die Reibung. Die Quellensucher.
10. Brief - Die Wärme. Die Elektrizität. Die gesamte Körperwelt als Odträger.
11. Brief - Einzelne Stoffe von größerer odischer Wirksamkeit. Metalle. Spiegel. Geschmeide, Kupfer. Messing und Eisengeräte. Erzlager und Bergbau. Ausbildung des sensitiven Gefühls
12. Brief - Verladung des Odes auf feste Körper, auf Wasser, auf Luft, Atem, Kleider und Betten. Durchleitung des Odes. Annäherungsverladung und Durchleitung.
13. Brief - Odischer Dualismus. Odchemische Reihe der einfachen Stoffe. Unipolarität jedes einzelnen. Alkalien und Säuren. Magnetpole, Kristallpole, lebendige Pole, linke und rechte Hand.
14. Brief - Das Farbenbild des Odlichtes. Das Polarlicht der Erde.
15. Brief - Der Erdmagnetismus und das Erdod. Die Lagerung der Sensitiven im Wachen und Schlafen. Kirchen- und Theaterbau, Stellung von Stühlen, Klavieren, Werktischen, Schreibpulten.
16. Brief - Leitungsgeschwindigkeit. Strahlung. Tragweite. Odische Atmosphäre der Menschen in Gesundheit und Krankheit. Odoskop. Etymologie des Wortes Od.
1. Brief
Die sensitiven Menschen.
Beispiel aus dem täglichen Leben.
Sind Sie niemals, mein werter Freund, im Leben einzelnen Menschen begegnet, welche die sonderbare Eigentümlichkeit hatten, eine ausgesprochene Abneigung gegen alles, was gelb ist, gegen die gelbe Farbe ganz überhaupt, zu hegen? Ein feines Zitron, ein glänzendes Gold, ein feuriges Orange gewähren doch gewiß einen reizenden Anblick; was sollte daran Widriges sein? Fragen Sie diese Leute, welche Farbe ihnen etwa angenehm sei, so werden Sie von allen aus einem Munde hören: blau. Das Azur des Himmelstiefen ist ein wohltuender Anblick; aber wenn der Abend es in goldene Rahmen faßt, so gesellt sich zum Schönen doch gewiß noch das Schönere: das Prachtvolle. Wenn man mir die Wahl stellte, ob ich lieber in einem strohgelb ausgemalten Zimmer meine Tage verleben wollte oder in einen hellblauen, so würde ich wahrscheinlich das gelbe vorziehen. Alle Feinde des Gelben, denen ich dies sagte, verlachten mich und beklagten meinen Geschmack.
Ich kehre die Frage um und möchte von Ihnen hören, ob Sie irgend einen Menschen getroffen haben, der Ihnen gesagt hätte, blau sei ihm zuwider? Gewiß nie; kein einziger hat jemals blau verabscheut. Woher nun bei gewissen Menschen solche Übereinstimmung in der Abneigung gegen Gelb und der Vorliebe für Blau?
Wir wissen aus der Farbenlehre, daß Gelb und Blau in einer gewissen Wechselbeziehung zueinander stehen. Es sind Komplementärfarben, die eine Art von polaren Gegensatz zueinander bilden. Sollte in diesem noch etwas anderes verborgen liegen als die bloße Wirksamkeit auf unser Sehvermögen? Noch ein unbekannter tieferer Unterschied als der einfache optische Farbenunterschied, den wir alle kennen? Und sollte für das Empfinden eines Unterschieds auch unter den Menschen ein Unterschied bestehen, so zwar, daß die einen wahrzunehmen imstande wären, was die anderen nicht zu erkennen vermöchten? Sollte es sozusagen Menschen von zweierlei Sinnen geben? Das wäre doch eine ziemlich sonderbare Sache! Versuchen wir ihr weiter nachzugehen.
Ein Mädchen schaut wohl gern in den Spiegel. An Männern fehlt es vielleicht auch nicht, die des lieben Widerscheins sich freuen. Wer möchte es ihnen auch verdenken, wenn ein wohlgelungenes Abbild von Gottes schönem Meisterwerke daraus entgegenlacht und all das Vorgefühl der Siegeslust erweckt,die ihnen blüht? Gibt es doch nichts herrlicheres,
nichts beseligenderes in der Welt als ein schönes Ichselbst. Wie aber, und dies sollte möglich sein, daß es Mädchen, Frauen, daß es Männer gäbe, die den Spiegel scheuen? Die sich davon abwenden und ihren eigenen Anblick nicht vertragen? - Wahrhaftig, es gibt solche. Es gibt Menschen, und sie sind nicht eben selten, denen der Spiegel ein eigenes Gefühl von Bangigkeit, wie wenn ein laulich widriger Hauch sie anginge, verursacht, daß sie nicht eine Minute lang ruhig aushalten mögen. Der Spiegel wirft ihnen nicht bloß ihr Bild, er wirft ihnen noch einen unnennbar peinlichen Eindruck zurück, manchen stärker, manchen schwächer, manchen nur kaum noch so weit fühlbar, daso eine unbestimmte Abneigung gegen den Spiegel übrig bleibt. Und was ist dies? Woher rührt es? Warum empfinden diese Widrigkeit nur gewisse Menschen, warum nicht alle?
Sie haben viel Reisen gemacht, es ist unmöglich, daß Sie nicht in Eilwagen, im Omnibus,auf der Eisenbahn mit Leuten zusammengetroffen wären, die mit den zudringlichsten Eigensinne überall die Forderung durchsetzten, die Wagenfenster aufzureißen. Mochte es Unwetter, Zugwind oder Eiskälte geben, sie wollten keine Rücksicht auf rheumatische Gefährten nehmen und benahmen sich unerträglich. Sie halten dies für Ungezogenheit. Aber ich bitte Sie, schieben Sie Ihr Urteil ein wenig auf. Wenigstens solange noch, bis einige meiner Briefe an Ihnen vorübergegangen sein werden.
Vielleicht werden Sie daraus die Überzeugung schöpfen, daß im Raume einer eng beisammen befindlichen Gesellschaft noch unbekannte Dinge vorgeben, stark genug, manchen Mitgliedern derselben ganz unausstehlich zu werden, während andere davon auch nicht das geringste wahrnehmen. Sollten Sie keinen unter Ihren Freunden haben, der die Grille hegt, bei Tisch, im Theater, in der Gesellschaft, in der Kirche nicht in der Reihe zwischen andern sitzen zu wollen, sondern der imer fÜr sich das Besondere haben will, den Ecksitz einzunehmen, den Flügelmann zu machen? Merken Sie sich diesen, er ist unser Mann, und wir werden bald nähere Bekanntschaft mit Ihm machen. Gewiß haben Sie schon weibliche Personen bemerkt, denen es in der Kirche öfter übel wird,während sie sonst gesund sind. Geben Sie diesen einen Ecksitz. Es wird Ihnen hier dennoch Übel werden; man muß sie bisweilen ohnmächtig hinwegtragen. Wenn Sie darauf achten, so werden Sie finden, daß es immer die nämliche, immer nur gewisse Personen sind, welche hiervon befallen werden. Diese sind durchaus unfähig, das Sitzen in Schiff einer Kirche längere Zeit zu ertragen, ohne in Übelbefinden zu geraten, und doch sind es sonst gesunde Leute.
Ihr Arzt wird Ihnen sagen, um gut und gesund zu schlafen, müssen Sie sich auf die rechte Seite legen. Fragen Sie Ihn einmal warum? Er wird, wenn er ehrlich ist, Ihnen die Antwort schuldig bleiben. Er weiß die Ursache nicht, aber er weiß aus vielfältiger Erfahrung, daß viele Menschen auf der linken Seite liegend nicht einschlafen können. Das hat er oftmals gehört, aber was es damit für ein inneres Bewandtnis hat, ist ihm unbekannt. Wollen Sie etwas genauer darauf acht geben,
so werden Sie gewahr werden, daß nicht alle Menschen rechts liegen müssen, um schlafen zu können: daß sehr viele auch links schlafen-, ja, daß es deren genug gibt, denen es ganz gleichgültig ist, links oder rechts einzuschlafen, und denen eine ruhige Nacht auf dem linken Ohre ganz ebenso erquicklich wird wie auf dem rechten. Aber Sie werden dann auch finden, daß diejenigen, welche nicht links, sondern nur rechts zu schlafen vermögen, eine kleinere Anzahl bestimmter Personen sind, denen diese Eigenschaft so fest anhaftet, daß sie stundenlang, ja halbe Nächte auf der Linken liegen können ohne einzuschlafen, während sie, sowie sie sich auf dem Lager auf die rechte Seite umkehren, augenblicklich einschlafen. Das ist wohl eine sonderbare Sache, aber Sie können sie überall beobachten.
Wie viele Menschen gibt es, die ohne Ekel nicht vertragen, mit einen Löffel von Packfong, von Argentan, von Neusilber, von Chinasilber, und wie das Stoppelwerk alles heißt, zu essen, während andere gar nicht spüren, was da für ein Unterschied von echtem Silber für den gewöhnlichen Gebrauch sein soll. Wie viele Personen trifft man, die nicht imstande sind, Kaffee, Tee, Schokolade aus messingenem Kochwerkzeug zu genießen, was die meisten andern gar nicht merken. Wie viele Leute hegen Abneigung gegen warme, besonders vielgekochte Speisen, dann gegen Fettes, gegen Süßigkeiten, und ziehen kalte, einfache, besonders schwach säuerliche unendlich vor. Es gibt darunter nicht wenige, die eine solch außerordentliche Vorliebe fÜr Salat haben, daß man sie sagen hört, sie würden alle anderen Speisen unbedingt hingeben bloß um den Salat. Andere können gar nicht fassen, was dies für eine grenzenlose Lust sein soll.
Es gibt Leute, die es durchaus nicht vertragen, wenn jemand nahe hinter Ihnen steht. Diese fliehen alle Volksaufläufe, alle Menschenhaufen, allen Markt. Andern ist es widerwärtig, wenn man ihnen die Hand reicht, und unausstehlich, wenn man ihre dargebotene Hand eine Zeit lang festhalten will. Sie machen sich los oder reißen aus. Wie viele gibt es nicht, welche die Wärme aus einem eisernen Heizofen nicht vertragen, sehr gut aber die aus einem steinernen! Soll ich noch mehr, soll ich Ihnen noch Hunderte von solchen Wunderlichkeiten aufzählen, die gewissen Menschen eigen sind? Und nun, was haben wir davon zu halten? Sind es Einbildungen aus vernachlässigter Erziehung, sind es üble Gewohnheiten, vielleicht aus Anlaß örtlicher Gesundheitsstörungen? So mag es allerdings denen scheinen, welche nur über die Oberfläche der Sache hinblicken, und von diesem Scheine hat man sich leider nur zu häufig verleiten lassen, jenen empfindlichen Leuten Unrecht zu tun. Treten nämlich diese seltsamen Erscheinungen vereinzelt auf, zerstreut als Zufälligkeiten unter verschiedenen Menschen in mancherlei Lagen, so wäre man vielleicht berechtigt, geringschätzig davon zu denken. Allein ein merkwürdiger Umstand, der bis jetzt der Aufmerksamkeit nicht wert gehalten worden, stellt die Sache wesentlich anders. Es finden sich nämlich all die angegebenen Eigenschaften jener Menschen nicht einzeln, sondern immer vergesellschaftet ein. An einem und demselben Individuum finden Sie, wenn Sie nachforschen wollen, die meisten, oftmals alle jener Eigentümlichkeiten beisammen, und niemals, nicht ein einziges Mal treffen Sie eine allein an. Der Gelbfeind scheut den Spiegel; der Ecksitzer reißt die Wagenfenster auf; dem Rechtsschläfer wird in der Kirche übel; die Messing-, die Packfong Ekeln speisen gern Kaltes, Einfaches, verschmähen Fettes und Süßes, sind verliebt in Salat usw. Und dies geht überall bei derselben Person in einer ununterbrochenen Reihe fort vom Gelbhasse bis zum Zuckerekel, von der Blauliebe bis zur Salatgier. Es besteht Solidarität dieser wunderlichen Eigenschaften bei ihren Trägern. So zeigt es allenthalben die Erfahrung, und wer eine von ihnen hat, hat in der Regel die andern alle auch.
Es erhellt hieraus klar: sie stehen unter sich in einem unverkennbaren Zusammenhange. Und ist dem so, so kann es nur dadurch geschehen, daß sie alle sich zurückbeziehen auf einen Grundverband, auf einen verborgenen gemeinschaftlichen Quell, aus dem sie miteinander hervorgehen. Wenn nun dieser Quell in einigen Menschen liegt, in andern aber nicht, so ist es offenbar, daß es von diesem Gesichtspunkte aus in der Tat zweierlei Menschen gibt: gewöhnliche, die von allen jenen Reizbarkeiten nichts besitzen, und eigentümlich reizbare, die von ihnen bei jedem kleinen Anlasse in obig bestimmtem Sinne erregt werden.
Man kann die letzteren 'Sensitive' nennen, denn sie sind in der Tat häufig reizbarer als eine Mimose. Sie sind es ihrem innersten Naturell nach, das sie weder ablegen noch willkürlich bewältigen können, und überall, wo man ihre Absonderlichkeiten für Grillen und Unarten nahm, ist man ihnen wohl zu nahegetreten. Ohnehin haben sie unter ihrem bisher nirgends anerkannten Eigengefühl von unserer darauf nicht berechneten Umgangswelt genug zu leiden und sind zu mehr Rücksichtnahme berechtigt, als man ihnen bisher angedeihen ließ. Ihre Anzahl ist nicht klein, und wir werden bald sehen, wie tief diese Dinge in die menschliche Gesellschaft einschneiden, von denen ich Ihnen heute nur die ersten, auf der Oberfläche liegenden Andeutungen geben wollte.
2. Brief
Das Od, ein Zweig der Naturkräfte.
Die Kristalle, ihr Leuchten und ihre Gefühlserregungen.
Die Dunkelkammer.
Ohne Zweifel ist es Ihnen gelungen, nach den Merkmalen, die ich Ihnen gab, unter Ihren Bekannten einige herauszufinden, zu denen gehörig, die ich Sensitive nannte. Es ist auch gar nicht schwierig, solche zu treffen, sie sind überall zahlreich vorhanden. Und stehen Ihnen nicht alsbald ganz Gesunde zu Gebote, so fragen Sie nur nach solchen. die unruhigen Schlaf haben, im Schlafe die Decke häufig abwerfen, im Traume reden oder gar aufstehen, viel von kurzer Migräne geplagt sind, häufig an schnell vorübergehendem Magenweh leiden, über nervöse Verstimmungen klagen, größere Gesellschaft nicht lieben, sich gern zu wenigen Freunden halten oder selbst das Einsame gerne suchen. Mit seltener Ausnahme sind alle diese Leute von mehr oder minder sensitivem Naturell.
Aber dies sind alles nur die trivialen Seiten des Gegenstandes, über den Sie mich befragen. Auf den wissenschaftlichen Prüfstein gelegt, da kommen Dinge von ganz anderer Erheblichkeit zum Vorscheine. Verschaffen Sie sich einmal einen natürlichen Kristall, so groß wie Sie ihn bekommen können, etwa einen Gipsspat von zwei Spannen Länge, einen Schwerspat oder einen fußlangen Gotthardter Bergkristall. Legen Sie ihn horizontal über eine Tischdecke oder Stuhllehne,so daß die beiden Enden frei darüber hervorstehen, und führen Sie nun eine sensitive Person davor mit der Weisung, die linke innere Handfläche den Kristallenden nacheinander bis auf drei, vier oder sechs Zoll zu Nähern. Es wird keine zehn Sekunden anstehen und der Sensitive wird Ihnen schon sagen, daß aus dem Ende der obern Zuspitzung ein feiner kühler Hauch der Hand entgegenwehe, aus dem ändern Ende, der unteren Bruchfläche aber, an welcher der Kristall aufgewachsen war, etwas Lauliches der Hand zugebe.
Das Kühlige wird er angenehm und erfrischend finden, das Lauliche unangenehm und von einer widrigen, fast ekligen Empfindung begleitet, die bei kurzer Andauer den ganzen Arm ergreifen und wie müde machen wird.
Als ich diese Beobachtung das erstemal machte, war sie ebenso neu wie rätselhaft: man wollte sie mir nirgends glauben. Inzwischen habe ich sie mit Hunderten von sensitiven Menschen (in Wien) wiederholt, man hat sie in England, in Schottland, in Frankreich bewährt gefunden, und jeder kann sie leicht selbst erproben, denn Sensitive gibt es überall. Halten diese ihre Hände in die Nähe von anderen Stellen der Kristalle,
etwa der Seitenkanten, so empfinden sie zwar ebenfalls bald lauliche, bald kühlige Anwandlungen, aber überall ohne Vergleich schwächer als an den beiden Enden, die sich polar entgegenstehen. Nichtsensitive empfinden von alldem nichts. Da diese entgegengesetzten Empfindungen erregt werden, ohne daß man die Kristalle berührt, auf Abstand von mehreren Zoll ja bei stark sensitiven Personen auf mehrere Fuß Entfernung, so war es augenscheinlich, daß von diesen sozusagen halborganisierten Steinen etwas ausgehe, ausströme, ausstrahle, das die Physik noch nicht kennt und das, wenn wir es auch nicht zu sehen vermögen, dennoch durch körperliche Wirkungen sein Dasein kundgibt.
Nun die Sensitiven den Gefühle nach so ausserordentlich viel mehr zu leisten imstande sind als andere Menschen, so kam ich auf den Gedanken, ob sie nicht auch in Gesichtssinne in gewissen Beziehungen uns übertreffen könnten, ob sie nicht vielleicht imstande wären, von diesen sonderbaren Emanationen der Kristalle im tiefen Finstern irgend etwas wahrzunehmen?
Um dies zu prüfen, brachte ich in einer finstern Nacht (Mai 1844) einen mächtigen Bergkristall zu einem hochsensitiven Mädchen, Fräulein Angelika Sturmann. Ihr Arzt, der unter den Pathologen rühmlich bekannte Professor Lippich, war zufällig zugegen. Wir stellten vollkommene Finsternis in zwei Zimmern her, in deren einem ich den Kristall auf eine jedermann unbekannte Stelle brachte. Nach einigem Verweilen, um die Augen erst an Finsternis zu gewöhnen, führten wir das Mädchen in das Zimmer, wo der Kristall war. Es verging nur kurze Zeit, als sie mir schon die Stelle bezeichnete, wo ich denselben niedergelegt hatte. Sie sagte mir, daß der ganze Körper des Kristalls in einem feinen Lichte durch und durch erglühe und daß über seiner Zuspitzung eine handgroße Leuchte emporströme, blau, in beständig wogender Bewegung, mitunter scintillierend, tulpenförmig, oben in einen feinen Dunst sich verlierend. Wenn ich ihn umkehre, so sah sie über dem andern, stumpfen Ende des Kristalls einen dumpfen, rotgelben Rauch sich erheben.
Sie können sich denken, welche Freude mir diese Erklärung machte. Es war dies die erste Beobachtung von tausenden ihresgleichen, die mit Kristallen in unzähligen Abänderungen von da bis heute folgten und in denen durch eine Menge sensitiver Personen die Tatsache festgestellt wurde, daß Gefühlserscheinungen, die von Kristallen erzeugt werden, Lichterscheinungen zur Seite gehen, welche ihnen gleichen Schritts folgen, sich blau und rotgelb polar gegenüberstehen und nur von sensitiven Menschen wahrgenommen werden. Wenn Sie diese Versuche wiederholen wollen, so muß ich Sie aufmerksam machen, daß Sie nur in absoluter Finsternis das Gelingen derselben erwarten dürfen. Das Kristallicht ist so fein und so überaus schwach, daß, wenn man auch nur eine Spur von anderem Lichte in der Dunkelkammer irgendwo wahrnehmen wird, dies hinreicht, den sensitiven Beobachter zu blenden, d.h. seine Reizfähigkeit für so äußerst schwaches Licht zeitweilig abzustumpfen.
Ferner sind nur wenige Menschen so
hochsensitiv wie das genannte Fräulein, um nach so kurzem Aufenthalt im Finstern schon dies zarte Licht gewahren zu können. Bei mittleren Sensitiven hat es meist einer bis zweier Stunden Aufenthalt im Finstern bedurft, bis ihr Auge von der Überreizung des Tages- oder Lampenlichts gehörig befreit und für die Erkennung des Kristallichts zureichend vorbereitet war. Ja ich habe viele Fälle gehabt, wo Schwachsensitive in der dritten Stunde noch nichts gewahrten, in der vierten dennoch dazu gelangten, Kristalle recht gut leuchten zu sehen und sich von der Realität dieser Erscheinung zu überzeugen.
Sie sind nun ungeduldig zu erfahren, was dies denn eigentlich sei und wohin in der Physik und Physiologie diese Erscheinungen nach ihrem subjektiven und objektiven Bestande gehören. Wärme sind sie nicht, obgleich sie Empfindungen, ähnlich denen von lau und kühl, rege machen. Denn hier liegt kein denkbarer Wärmequell und wenn einer da wäre, so würden nicht bloß Sensitive ihn empfinden, sondern auch Nichtsensitive oder doch ein feines Thermoskop. Elektrizität sind sie nicht,denn zu dem ewigen Strom, der hier entquillt, ist kein Erreger da, ein Elektroskop wird nicht affiziert, und Ableitung nach elektrischen Gesetzen ist wirkungslos. Magnetismus können sie nicht sein, weil Kristalle nicht magnetisch sind, wenigstens in dem Sinne nicht, in welchem wir den gewöhnlichen Magnetismus verstehen. Phosphoreszenz sind sie nicht, weil diese uns nur erglühende Erscheinungen liefert, nicht aber leuchtende Materie aussendende. Gemeines Licht können sie nicht sein, weil, wenn hier auch Licht beigesellt vorkommt, das bloße Licht nirgends laue und kühle Empfindungen erzeugt usw.
Was also sind nun die geschilderten Erscheinungen? Wenn Sie es durchaus zu wissen begehren, so zwingen Sie mich, Ihnen einzugestehen, daß ich es selbst nicht weiß. Ich erkenne überall neue Eigenschaften der Materie, von denen wir bis jetzt nichts wußten. Ich nehme die Kundgebungen eines Dynamides wahr, die ich unter die bekannten nirgends zu registrieren vermag. Beurteile ich die gewonnenen Tatsachen nicht irrig, so stellt es sich in die Mitte zwischen Magnetismus, Elektrizität und Wärme, kann aber mit keinem von allen dreien identifiziert werden. In dieser Verlegenheit habe ich es einstweilen mit dem Worte "Od" bezeichnet, wovon die Ethymologie ein andermal folgt.
3. Brief
Das Sonnenlicht. Das Mondlicht. Das prismatische Farbenbild.
Das Polarisierte Licht. Geodetes Wasser. Od als kosmisches Dynamide.
Sie kennen die Sensitiven und sie kennen das Element, worin diese sich bewegen, das Dynamide nämlich, welches ich mit den Worte Od bezeichnet habe. Aber damit haben wir von dem großen Gewande, in welches die gesamte Natur sich mit letzterem gehüllt hat, nur erst eine Ecke des Saumes berührt. Jene merkwürdige Kraft entströmt nicht den Polen der Kristalle allein, sie quillt aus zahlreichen anderen Bornen des Weltalls eben so stark, ja wohl stärker!
Zunächst will ich Sie zu den Gestirnen führen, und zwar zur Sonne. Stellen Sie eine sensitive Person in den Schatten, geben Sie Ihr eine gewöhnliche leere Barometerröhre oder jeden andern Glasstab, oder auch nur einen hölzernen Stock in die linke Hand und lassen Sie diesen Stab in den Sonnenschein halten, während Person und Hand im Schatten bleiben. Bald werden Sie von diesem einfachen Versuch etwas hören, das Sie überrascht. Sie werden erwarten, daß die prüfende Person den Stab vielleicht warm werden fühlt; der Sonnenschein kann ihn ja höchstens erwärmen. Aber gerade das Gegenteil werden Sie vernehmen: die sensitive Hand wird verschiedene Einwirkungen empfinden, der Ausschlag davon aber wird - Kühle sein. Zieht sie den Stab in den Schatten zurück, so wird die Kühle verschwinden und sie wird ihn warm werden fühlen. Bringt sie ihn nochmals in den Sonnenschein, so wird er ihr wieder kühl werden. Sie kann so abwechslungsweise die Genauigkeit Ihrer eigenen Empfindung kontrollieren.
Es gibt also höchst einfache, bis jetzt nicht beachtete Umstände, unter denen der unmittelbare Sonnenstrahl nicht nur nicht warm macht, sondern höchst unerwarteter und seltsamer Weise sogar kalt. Und von dieser Kühle werden Ihnen die Sensitiven sagen, daß sie in ihrer Wirkungeweise alle Ähnlichkeit mit jener habe, welche die obere Zuspitzung des Bergkristalls besaß. Wenn nun diese Kühle von der Natur des Odes ist, so muß sie sich auf irgend eine Weise in der Finsternis als Lichterscheinung ausprägen lassen. Dies wird Ihnen auch gelingen, wenn Sie meinen folgenden Versuch wiederholen wollen. Ich leitete aus einem erhellten Zimmer einen Kupferdraht durch ein enges Löchelchen in die Finsternis der Dunkelkammer. Dann führte ich das äußere Ende desselben in den Sonnenschein. Kaum war dies geschehen, als der im Finstern befindliche Teil des Drahtes leuchtend zu werden begann, sich mit einem feinen Lichtschein umhüllte und an seinen Ende eine kleine flammenartige Erscheinung
von Fingergröße aufstieg. Der Sonnenstrahl goß also odisches Wesen in den Draht, das Sensitive fühlten und lichtförmig in der Finsternis ausströmen sahen. Aber gehen Sie einen Schritt weiter. Lassen Sie den Sonnenstrahl auf ein gutes Glasprisma fallen und werfen Sie damit Regenbogenfarben an die nächste Wand. Lassen Sie die sensitive Person mit dem Glasstabe in der linken Hand die Farben nacheinander prüfen. Wenn sie ihn so hält, daß sie damit in der Luft nur die blaue oder violette Farbe auffängt, so wird ihr Gefühl höchst angenehm kühl angeregt werden, viel reiner und kühler als vom Gesamtsonnenstrahl geschehen. Bringt sie statt dessen den Stab in den gelben, besser noch in den roten Strahl, so wird die wohlbehagliche Kühle unverzüglich verschwinden, statt deren wird Wärme eintreten, eine widrige Läue wird bald den ganzen Arm schwer machen.
Sie können statt des vermittelnden Stabes auch einen bloßen Finger der Sensitiven in die Farben halten lassen, die Wirkung wird die nämliche sein. Ich wählte den Stab bloß, um die Mitwirkung der wirklichen Wärmestrahlen auf die Hand durch einen schlechten Wärmeleiter auszuschließen. Diese Wirkungen des zerlegten Sonnenlichts werden genau denen der Kristallpole ähnlich befunden werden.
Sie sehen hieraus: Od von beiden Wirkungsarten ist im Sonnenstrahl enthalten. Es strömt uns in unermesslicher Menge jeden Augenblick von unserem Tagesgestirn mit dem Lichte und mit der Wärme zu und bildet ein neues mächtiges Agens in demselben, dessen Tragweite wir noch gar nicht übersehen können. Nun werden Sie es mir vergönnen, daß ich Sie jetzt um einen kurzen Rückblick auf die Gelbfeinde und auf die Blaufreunde meines ersten Briefes bitte. Haben wir nicht gesehen, daß der Kristallpol, welcher angenehme Kühle aushauchte, blaues Licht gab? Und finden wir hier nicht auf ganz anderem Wege das Sonnenlicht mit dem blauen Strahl überaus angenehme, erfrischende Kühle spenden? Umgekehrt hatte nicht das rotgelbe Licht des andern Kristallpoles und eben so der gelbe und rote Strahl der Sonne lauwidrige Peinlichkeiten bei den Sensitiven erzeugt? Sie sehen, daß in beiden so unendlich weit von einander abgelegenen Allen jedesmal Blau wohlbehagliche, Rotgelb aber mißbehagliche sinnliche Empfindungen in seinem Gefolge hatte. Somit haben Sie den ersten Fingerzeig, der Sie bedenklich machen mag gegen schnelle Verurteilung der vermeintlichen Caprizen sensitiver Personen. Sie sehen, daß in der Tat in dem Gelb und in den Blau unserer Farben noch etwas anderes verborgen liegen muß als bloße optische Wirkung auf die Netzhaut unseren Auges; daß ein tiefliegender Instinkt für ein unbekanntes feines Etwas hier das Gefühl und das Urteil unserer Sensitiven leitet, und daß dies der äußersten Spannung unserer Aufmerksamkeit wert ist.
Aber auch abgesehen von den Farben, will ich Ihnen noch einen anderen leichten Versuch an die Hand geben, den ich oft gemacht habe, den Odgehalt der Sonnenstrahlen zu unterscheiden. Polarisieren Sie die
selben auf die bekannte Weise, daß Sie unter 35 Graden auf ein Bündel von einem Dutzend aufeinandergelegter Glasscheiben fallen lassen. Sie erhalten dann geteiltes Licht, einerseits von den Gläsern zurückgeworfenes, andererseits durch sie hindurchgelassenes. Lassen Sie den sensitiven Beobachter den Stab in seiner linken Hand abwechslungsweise in das zurückgeworfene und in das durchgelassene Licht halten. Sie werden immer hören,daß das erstere odische Kühle, das letztere odische Lauwidrigkeit durch den Stab in die befühlende Hand liefere.
Wenn Sie bei Laune sind, so können Sie hierbei die Chemiker ein wenig necken. Nehmen Sie zwei gleiche Gläser Wasser, stellen Sie das eine in das zurückgeworfene Sonnenlicht, das andere in das durchgelassene. Nach sechs bis acht Minuten des Verweilens darin lassen Sie es einen Sensitiven kosten. Er wird Ihnen sogleich sagen, daß das Wasser aus dem zurückgeworfenen Lichte kühl und etwas säuerlich, das aus dem Durchgelassenen lau und wie bitterlich schmecke. Tun Sie noch eins: stellen Sie ein kleines Glasgefäß mit Wasser in das blaue Licht der Iris und ein gleiches in das rotgelbe; oder stellen Sie ein solches an das zugespitzte Ende eines großen Bergkristalls und eines an das stumpfe untere. In allen diesen Fällen können Sie sicher sein, daß der Sensitive das Wasser aus dem blauen Lichte lieblich, fein säuerlich, das aus dem rotgelben ekelhaft, bitterlich und herb finden wird. Das erste Glas wird er mit Lust austrinken, wenn Sie es zulassen; wenn Sie ihn aber zum andern nötigen, so kann Ihnen begegnen, was mir geschah, daß der Sensitive kurz darauf sich heftig erbricht. Nun geben Sie die Wasser den Herren Scheidekünstlern, sie sollen Ihnen das Amarum und das Acidum herausanalysieren.
Verfahren Sie wie mit dem Sonnenlichte, so mit dem Mondlichte. Sie werden ähnliche, aber zum Teil polar umgekehrte Ergebnisse erhalten. Ein Glasstab von einem Sensitiven mit der Linken in volles, reines Mondlicht gehalten, wird ihm nicht Kühle, dafür aber Läue geben. Ein Glas Wasser, das im Mondenschein verweilt hat, wird er lauer und widriger schmeckend finden als ein anderes, das mittlerweile im Schatten stehen geblieben. Den großen Einfluß, den der Mond auf manche Menschen nimmt, kennt jedermann, selbst Physiologen und Ärzte räumen ihn ein. Alle die Personen, welche ihm unterliegen, sind ohne Ausnahme Sensitive, in der Regel ziemlich empfindliche. Und da er erweislich odische Wirkungen ausübt, sein Einfluß auf die Mondsüchtigen aber mit denen genau übereinstimmt, die auch durch andere Odquellen auf sie hervorgebracht werden können, so ist er als odausgebendes Gestirn von großer Bedeutung für uns.
Mit dem Sonnen- und Mondlichte also strahlt uns odisches Kraftwesen so reichlich zu, daß wir es bequem auffangen und in einfachen Versuchen handhaben können. Wie unermesslich sein Einfluß auf die ganze Menschheit und auf die gesamte Tier- und Pflanzenwelt ist, davon sollen sie bald Proben empfangen. Das Od ist dem allem nach ein kosmisches Dynamide, das von Stern zu Stern strahlt und wie Licht und Wärme das Weltall umspannt.
4. Brief
Der Magnetismus. Gefühls- und Gesichtserscheinungen.
Verschiedenheit von Od und Magnetismus.
Odisch-magnetisch heißen diese Briefe. Warum denn aber magnetisch? Was ist denn magnetisches dabei, fragen Sie. Fast muß ich Ihnen antworten: wenig oder gar nichts. Aber der Welt hat es gefallen, eine Anzahl von Erscheinungen,die hierher Bezug haben, magnetische zu nennen, und so muß ich mich wohl ihrer Nomenclatur derzeit noch fügen. Die Veranlassung dazu liegt in dem Umstande, daß der Magnetismus odische Kräfte mit sich führt, wie der Sonnenschein und der Mondschein sie in seinem Gefolge hat, wie sie aus den Kristallpolen hervorgehen und wie sie noch aus zahlreichen Quellen fließen, die mit dem Magnetismus, wie wir ihn bis jetzt verstanden, von ferne nichts gemein haben. Lassen Sie uns auf die Wechselbeziehungen zwischen Od und Magnetismus jetzt einige Blicke werfen.
Legen Sie einen guten Magnetstab schräg über eine Tischecke, so daß beide Enden darüber hinausragen, wie Sie mit dem großen Kristalle getan. Rücken Sie den Tisch so zurecht, daß der Stab hierbei in den Meridian zu liegen kommt, so nämlich wie die Kompassnadel, mit dem Nordpole gen Norden und mit dem Südpole gen Süden. Führen Sie einen Sensitiven davor und lassen Sie ihn mit der linken hohlen Hand bald dem einen, bald dem anderen Pole auf drei bis sechs Zoll Abstand langsam sich nähern. Sie werden bei diesem erfahren ganz die nämlichen Erklärungen von ihm erhalten, wie er sie bei den Kristallen gab, daß nämlich der eine Pol, und zwar hier der gen Norden gerichtete, kühles Lüftchen gegen die Hand sende, der andere, der gen Süden gekehrte, laulichen, widrigen Hauch ausgebe. Sie können wieder an jeden Pol ein Glas Wasser stellen und nach sechs, acht Minuten davon den Sensitiven kosten lassen. Er wird das Glas am gen Nord gerichteten Pole frisch und kühl, das am gen Südpol lau und ekel erklären, und wenn Sie noch einmal unseren Chemikern damit das Hölzchen werfen wollen und sie fragen. was denn in dem so auffallend veränderten Wasser nunmehr enthalten sei, so werden sie ärgerlich werden, und um aus der Verlegenheit zu kommen, werden sie Ihnen die sonnenklare Beobachtung rundweg abstreiten und behaupten, sie sei nicht wahr. Sie können lächeln zu der Blöße, die der Katheder hier und dort gibt, denn Naturwahrheit kann durch ungeprüften Widerspruch nicht in Unwahrheit verkehrt werden. Die Herren werden wider Willen bald eines besseren sich besinnen müssen.
daß die Vermutungen, welche mich mit Kristallen in die Finsternis führten, auch bei Magneten in mir aufgestiegen sein müssen, finden Sie selbstverständlich. Den ersten Versuch machte ich mit Fräulein Waria
Nowotny in Wien (April 1844) und wiederholte ihn später hundertfältig mit anderen Sensitiven in der Dunkelkammer. Mit freudiger Befriedigung vernahm ich meine Vermutungen gerechtfertigt, als jene mir zuerst erklärte: an beiden Enden des Stabes brenne eine Flamme, leuchtend und feurig, rauchend und funkenwerfend, am gen Nordpol blau, am gen Südpol gelbrot. Aber machen Sie den leichten Versuch selbst, dann ändern Sie ihn ab, stellen Sie den Magnetstab vertikal auf, den gen Südpol nach oben, so werden Sie hören, daß die Leuchte wachse; sie wird, wenn der Magnet nur stark genug ist, emporsteigen fast bis zur Decke des Zimmers, ja sie wird am Plafond selbst einen erleuchteten rundlichen Fleck hervorbringen, einen, zwei bis drei Fuß im Durchmesser, so hell, daß, wenn der Sensitive reizbar genug ist, er Ihnen die Malerei angibt, die er dort gewahrt. Aber ich warne Sie, versäumen Sie keine von den Vorsichtsmassregeln zu absoluter Finsternis und stundenlanger Augenvorbereitung darin, die ich Ihnen gegeben, sonst sieht Ihr Gehilfe nichts, Sie arbeiten umsonst, und die Genauigkeit meiner Worte gerät in Gefahr unverschuldeten Verdachts.
Schöner noch wird die leuchtende Erscheinung ins Auge fallen, wenn Sie einen Hufmagnet dazu verwenden und ihn aufrecht stellen, mit beiden Polen nach oben. Ich habe ein neunblättriges Hufeisen von hundert Pfund Tragkraft; von jedem seiner Pole sehen alle Sensitiven eine feine Leuchte, also zwei nebeneinander ausströmen, die sich nicht anziehen, nicht aufheben, nicht aufeinander einwirken, wie dies die magnetischen Kräfte beider Pole tun, sondern die ruhig nebeneinander hoch emporströmen, von zahllosen weissleuchtenden Pünktehen wimmeln und zusammen eine mannsgroße Lichtsäule bilden, die jeder, der sie sah, ergreifend schön schilderte. Sie erhebt sich vertikal bis zum Plafond und bildet dort einen erleuchteten runden Flächenraum von beinahe einem Klafter Durchmesser. Dauert das Schauspiel eine zeitlang an, so wird nach und nach die ganze Zimmerdecke sichtbar. Steht ein solcher Magnet auf einem Tische, so erleuchtet die flammende Emanation seine Fläche.
Und die Geräte auf demselben auf Ellenweite. Hinter einer Hand, die man dazwischen bringt, entsteht sichtlich ein Schatten. Hält man einen flachen Körper, ein Brettchen, eine Glasscheibe, ein Metallblech waagerichtet in die flammenartige Erscheinung hinein, so biegt sie sich daran um und strömt darunter ein, gerade wie eine jede andere Feuerflamme, wenn man eine Pfanne, einen Topf darein bringt. Bläst oder haucht man darein, so zerflackert sie, wie wenn man eine brennende Kerze vor sich hätte. Entsteht ein Luftzug oder bewegt man sich mit dem Magnet, so legt sie sich auf die Seite in der Richtung der Luftströmung wie eine in Bewegung befindliche Fackel. Bringt man ein Brennglas in ihre Nähe, so läßt sich ihr Licht in seinem Focus sammeln und verdichten. Die Erscheinung ist also sehr körperlich und hat viele Eigenschaften mit gewöhnlicher Flamme gemein. Bringt man zwei derselben so zusammen, daß sie kreuzend sich treffen, so stören sie einander nicht durch Anziehungen oder Abstoßungen, sondern sie durchdringen sich gegenseitig und beide setzen ihren Weg ungehindert fort.
Ist eine davon stärker, wie es scheint mit stärkerer Wurfkraft versehen, so durchdringt sie die schwächere in der Weise, daß sie sich spaltet, die dann auf beiden Seiten um sie herumstreicht. Ähnliches geschieht, wenn man einen Stab hineinhält, er spaltet die Flamme, und diese vereinigt sich wieder hinter ihm. Und wie die Kristalle von den Sensitiven in feiner Leuchte gesehen wurden, die ihre ganze Substanz durchdrang, ebenso sehen sie den Stahl des Magnets durch und durch wie in einer Art von weißlicher Glut befindlich. Ganz ebenso verhalten sich Elektromagnete. *)
Diese Eigenschaften besitzen, wie Sie leicht erkennen, keinen Parallelismus mit Magnetismus, sie sind eigentümlich odisch. Vergleicht man einen Gipsspat mit einem Stabmagnet, beide von beiläufig gleichem Gewichte, so findet man, daß die odischen Ausströmungen der gleichnamigen Pole sowohl an Gefühlswirkung als an Leuchte nicht wesentlich verschieden, ja daß der Kristall dem Magnet an odischer Kraft noch überlegen ist, seine Kühle und Wärme deutlicher, Lichtstärke größer. Der Kristall hat aber keinen Magnetismus oder doch verschwindend wenig. Sie haben also hier neben einander Od mit Magnetismus gepaart und Od ohne Magnetismus, in beiden Fällen Od von gleicher Stärke. Man kann also schlechterdings nicht sagen, das Od sei ein Angebinde oder gar nur eine von den Eigenschaften des Magnetismus, es sei Magnetismus selbst. Im Kristall tritt das Od getrennt vom Magnetismus auf, und ich werde Ihnen eine Menge von noch schlagenderen Beispielen aufführen, wo das Od in größter Stärke vorkommt, während von weitem kein Magnetismus (im gewöhnlichen Sinne) zugegen ist. Das Od muß demnach als ein für sich bestehendes Dynamide angesehen werden, das im Gefolge des Magnetismus auftritt, wie es im Gefolge der Kristalle, der Sonnenstrahlen und vier anderer Naturerscheinungen, die wir berühren werden, sich einstellt. Wir kennen die großen Ähnlichkeiten des Magnetismus und der Elektrizität; wir wissen, daß der eine so sehr im Gefolge der andern und umgekehrt erscheint, daß wir schon nahe daran waren, sie für identisch zu halten. Ähnlich verhalten sich Licht und Wärme, eines ruft das andere hervor, alle Augenblicke geben sie ineinander über. Dessen ungeachtet sind wir noch nirgends im Stande, den gemeinschaftlichen Ausgangspunkt nachzuweisen, von dem sie sich beide herleiten. So verhält es sich mit dem Ode. Wir ahnen freilich, daß diese dynamidischen Erscheinungen in letzter Instanz aus einem gemeinschaftlichen Quell hervorgehen. Aber so lange wir noch nicht im Stande sind, diese Einheit des Herkommens darzutun, so lange bleibt uns nichts übrig, als Elektrizität, Magnetismus, Licht, Wärme, usw. jedes als eine abgesonderte Gruppe von Erscheinungen für sich zu behandeln. Indem wir nun
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* Ausführlich und mit den nötigen Beweisen belegt findet man diese Magnetlichterscheinungen abgehandelt in der Schrift "Untersuchungen über die Dynamide des Magnetismus, der Elektrizität, der Wärme, des Lichts etc. in ihren Beziehungen zur Lebenskraft", von Freiherrn von Reichenbach.
sehen, daß die zahlreichen odischen Erscheinungen unter keines von den bekannten Dynamiden eingereiht werden können, so bleibt uns nichts anderes übrig, als sie für sich zu vereinigen und ebenfalls als eine eigene solche Gruppe aufzustellen. daß sie weder an Umfang noch an Bedeutung denen, welche in der physikalischen Doktrin bereits Bürgerrecht genießen, irgend etwas nachgibt, werden meine folgenden Briefe überzeugend dartun.
--------------- Diese odische Atmosphäre, die jeder Mensch um sich hat, die von jedem lebenden Individuum ausgeht, ist nicht überall völlig gleich, sondern bei jedem etwas verschieden, ungefähr wie die Gerüche, die Geschmackseinwirkungen verschieden sind, wie das Licht in Farben, der Schall in die Tonleiter zerfällt. Sie ist bei einem Weibe etwas verschieden von einem Manne, bei einem Jungen verschieden von einem Alten, bei einem Sanguiniker verschieden von einem Choleriker, bei einem Gesunden verschieden von einem Kranken. Ja sie ist unter den Kranken verschieden in einem Katarrh von einem Scharlach, von einem Typhus mit seinem calor mordax usw.,und alle diese Unterschiede werden von Hochsensitiven, ja oftmals schon von Mittelsensitiven erkannt und bestimmt wahrgenommen. Sie finden hierin die ersten Winke über die Möglichkeit, daß z.B. Kranke in extremen Sensitivitätszuständen das Nähern ihres Arztes schon erkennen, wenn Gesunde ihn noch nicht wahrzunehmen vermögen. daß sie vor manchen Menschen auf das erste Zusammentreffen eine ebenso unüberwindliche Abneigung haben als für andere eine unbegründete Vorliebe, daß Raubtiere, daß Hunde die Spur auf einem Blatte erkennen, auf welches ihre Beute fliehend den Fuß gesetzt, und ähnliche Dinge mehr, die wunderbar scheinen, aber auch nur scheinen, so lange man die physischen Fäden nicht kennt, mit welchen sie in der materiellen Welt ganz gesetzmässig und einfach zusammenhängen. Doch ich würde die Grenze, die ich mir für diese Briefe gezogen habe, überschreiten, wollte ich in Darlegung dieser höhern odischen Verhältnisse eingehen. Ich nehme daher hier von Ihnen Abschied. Sie kennen jetzt die Erscheinung dessen, was ich Od genannt habe, nach seinen äußern Umrissen. Es ist ein Dynamid, das denen, welche die Wissenschaft bereits kennt, analog und nahe verwandt ist. Es umfaßt eine Gruppe unwägbarer, aber sinnlich wahrnehmbarer Vorgänge in der Natur, für welche wir bis jetzt weder ein Maß noch ein anderes Reagens haben als den menschlichen Nerv, und auch diesen nur
unter den eigentümlichen Umständen der sensitiven Reizbarkeit. Der Grund, warum es der wissenschaftlichen Forschung bis jetzt gänzlich entgangen, ja von der Wissenschaft geradezu und hartnäckig zurückgestoßen und ausgeschlossen worden ist, liegt eben in dem Mangel an einem allgemeinen Odoskop und Odometer, welche für jedermanns Gebrauch zugänglich wären und womit sein Dasein leicht und in die Augen fallend aller Welt darzutun gewesen sein würde. Und die Ursache, warum hinwiederum ein Odoskop bis jetzt sich nicht hat finden lassen, entspringt aus der Natur des Odes selbst, nämlich aus seiner Kraft, alle Stoffe und Räume zu durchdringen und sich nirgends anhäufen, niemals bis zur allgemeinen Wahrnehmbarkeit verdichten zu lassen. Für Wärme, Elektrizität, Licht gibt es bis auf einen gewissen Grad Isolatoren, für Od habe ich noch keinen aufzufinden vermocht. Dieses Mangels an aller Sperrbarkeit habe ich mich bedienen zu sollen geglaubt, um ihm einen zu mannigfaltigen wissenschaftlichen Beugungen bequemen Namen zu bilden, Va im Sanskrit bezeichnet: wehen. Im Lateinischen vado, im Altnordischen vada heißt: ich gehe schnell, ich eile dahin, ströme fort. Davon Wodan bezeichnet im Altgermanischen den Begriff des Alldurchdringenden. Es ändert in den verschiedenen alten Idiomen ab in Wodan, Odan, Odin, wo es die alldurchdringende Kraft bezeichnet, die zuletzt in einer germanischen Gottheit personifiziert wird. "OD", ist also das Lautzeichen für ein alles in der gesamten Natur mit unaufhaltsamer Kraft rasch durchdringendes und durchströmendes Dynamid.
Hätte uns die Natur einen Sinn für Od verliehen, so klar und deutlich etwa wie für Licht und Schall, so ständen wir auf einer bei weitem höhern Stufe der Erkenntnis. Wir würden Wahrheit und Täuschung vermittelst jener Alldurchdringlichkeit ohne allen Vergleich leichter, schneller und sicherer unterscheiden. Wir würden einander, wie man zu sagen pflegt, ins Herz sehen. Talleyrand könnte nicht mehr die Sprache mißbrauchen, um seine Gedanken zu verbergen, und wir würden in weiterer Folge dessen ein Wesen höherer und edlerer Art sein. Es läßt sich leicht dartun, daß wir, mit einem Odsinne begabt, eine Art Engel sein müßten, und daß eine solche Fähigkeit uns nur verliehen zu werden brauchte, um uns unverzüglich auf eine höhere Stufe der Sittlichkeit emporzuheben, ohne noch unsere Verstandeskräfte zu steigern. Die Allweisheit, die nur irrende Menschen wollte, hat uns darum versagen müssen, was uns Halbgöttern gleichgestellt haben würde.
© Paul Allen HTML-Version Juni 2004
Franz Bardon Research (englisch)
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Paul Allen, Juni 2004.